Die Flammen knistern. Lukas Dolphin berichtet von seiner Zeit in den Everglades und lässt die Saiten der Gitarre verträumt anklingen. Sternschnuppennacht, ob wir ein paar sichten werden? Winnie Pooh, Bäm, Pikachu und diverse Disneyprinzessinnen haben sich versammelt, um der Stimme des Hannoveraners zu lauschen.

Im Camp Breakout sind wir 3 Tage ohne Handy

Das Ferienlager für Erwachsene von Gründerin Maike Engel bietet Do It Yourself statt Do It For Your Boss. Man tauscht Krawatte und Kostümchen gegen Barfuß. Der Wald rauscht und die Füße werden vom Seewasser umspült.

Rules gibt es im Camp nur diese:

– 3 Tage keine elektronischen Geräte – digitalfrei leben – mit Campnamen ansprechen – nicht über die Arbeit reden

Wer sich den Regeln stellt und das Abenteuer in sein Leben lässt, öffnet die Tür zu einem vielfältigen Wochenende an Workshops, Gemeinschaft, Kreativität, Spontanität, der Chance, wieder von Minute zu Minute zu überlegen:

Wonach ist mir? Was ist gerade mein Bedürfnis?

Maike Engel und ihr Team schufen ein Feuerwerk an Gaudi und Raum zum Füllen und Leerlassen. Morgens um 7 Uhr ging es los mit Schwimmen im See für alle Interessierten und Entspannungssessions mit einer Mischung aus Qi Gong und Progressiver Muskelentspannung nach Jacobsen. Programmpunkte ploppten den Tag über auf. Kanu, Bogenschießen – Jeder Geschmack wurde bedient, für Actiongeladene oder Ruhebedürftige, die den lieben langen Tag rumtüdeln mochten, mit Stiften, Scheren und Ausmalbüchern.

Dieses Jahr durfte ich als Teammitglied ebenfalls die Camper*innen mit einem eigenen Workshopformat beglücken.

Unter einer Weide fanden sich die Teilnehmenden auf einer kuscheligen Decke ein und die Gruppe kam als solche gemeinsam an, indem sie sich eine Geschichte zu dieser Weide überlegte. Wie ein Puzzle fügten sich die Elemente spontan zusammen, als eine Person mit der Geschichte begann – die Liebe sollte es sein, natürlich. Sie siegte zwischen der Fischerstochter und dem Schäfersjungen im beschaulichen Süsel / Schleswig-Holstein. 🙂

Kreative Workshops und Chill Area locken die Camper*innen

Sanftes, Weiches, Festes – Wir erfühlten Naturmaterialien mit verbundenen Augen. Den Höhepunkt bildete das Erstellen eines überdimensionalen Mandalas. Hierfür war das Sammeln von Naturmaterialien notwendig.

Wir fühlten uns wie Rotkäppchen, das bitte unbedingt vom Weg abkommen sollte. Aufgereiht wie auf einem Marktplatz lagen Mirabellen, Brennesseln, Kastanienblätter, Kohlereste vom Lagerfeuer ausgebreitet auf der Wiese – Je nach Lichteinfall in Form und Farbintensität wechselnd. Unser Spielzeug. Unsere Hilfsmittel, um zu kreieren. Stundenlang hätten wir unser Werk betrachten können. Das Schöne und gleichsam Schmerzvolle an Landart ist, dass man die Werke in der Natur zurück lässt. Der Wind und die Jahreszeiten können sich bedienen und nehmen, was sie wünschen.

Anders als früher in den Jugendheimen gibt es im Camp Breakout keinen viel zu süßen, ekligen Früchtetee sondern eine bunte Auswahl an Kräuter- und Schwarztees, um sich heimelig nach dem Regen aufzuwärmen. Die Kaffeetassen dampfen und man findet sich zum Aquarellmalen ein.

Das Wetter ist sehr wechselhaft am ersten vollen Tag und wir huschen von drinnen nach draußen und vom See zurück zum Kartenspiel im Essenraum. Menschen lungern in Liegestühlen, lesen, quatschen; versuchen sich auf der Slackline. Es liegt gleichermaßen eine gemütliche Geschäftigkeit und große Ruhe über dem Camp. Die vietnamesische Kaffeezeremonie ist in vollem Gange.

Am letzten Morgen wird unter Hängematten nach verloren gegangenen Freundschaftsarmbändchen gesucht. Das gibt Stress! „Hatte ich extra für dich geknüpft.“ 🙂 Die Fotolovestory der Bravo Girl wird in verschiedenen Rollen gelesen. Wir sind wieder 8 Jahre alt, erzählen uns Geheimnisse beim Bilder ausmalen.

 

Spannend zu sehen, wie häufig am ersten Tag die Aussagen „kann ich nicht“, „verkacken“, „Oh Gott, dafür hab’ ich noch zu wenig Alkohol im Blut“ fallen. Teils sehr verkopft wird von einigen an die Möglichkeit herangegangen, sich der eigenen Schöpferkraft zu bedienen. Während andere mit Glitzerstiften und Federn bei selbstgebastelten Postkarten voll in ihrem Element aufgehen.

Do It Yourself – Ecke

Es gibt einen bunten Abend, bei dem die Teamer*innen u.a. ihre nur mild vorhandenen Bierflaschenpustekonzert-Künste zur Schau stellen. Die Camper*innen haben mit selbst gedichteten Liedern zum Gummibärenbande-Soundtrack und Diabolo-Showeinlage eindeutig mehr zu bieten. Wenn der Tag langsam die Augen schließt, erwachen die Werwölfe vom Düsterwald-Spiel und suchen sich ihre Opfer.

In einer feierlichen Zeremonie umgeben von Salbeiduft öffnen die Camper*innen gemeinsam mit Gründerin Maike ihre verpackten Handys. Manche wollten ganz sicher gehen, gaben ihre Uhr mit ab oder umwickelten ihren Schatz weitere Male mit Papier. „Dori“-Rufe und Winken. Das Camp leert sich, das Stimmengewirr wird weniger, verhallt gänzlich. Zurück bleibt eine erledigte, glückliche Crew, die sich ans Zusammenpacken des Equipments macht. In den letzten Tagen wurden Tischtennisschläger, Basketbälle, Pinsel, Wolle, Dartpfeile und die Chill Out Areas mit Sonnenstühlen rege genutzt. Letzte Umarmungen, man hört Autos wegfahren.

Bis wir, zurück in der Großstadt, zurück im Büro, im Alltag eine Nummer in einer 600 km entfernten Stadt wählen. Gerade haben wir unser Mittagessen in der Kantine runtergeschlungen.

Mist, der Mitarbeiter hat uns mit seinem dämlichen Geschwätz wieder 15 min. wertvolle Pausenzeit geklaut. Jemand meldet sich am anderen Ende: „Sie sprechen mit Frau Dr. Gaby Stegler, Universitätsprofessorin.“

Eine uns bekannte Stimme. Warte mal.

„Seepferdchen, bist dus?“