“Die ganze Welt ist voll von Sachen und es ist wirklich notwendig, dass sie jemand findet.”, wusste schon Pippi Langstrumpf.

Farbe, Form und Ästhetische Bildung. Landart als künstlerische Begegnung mit der Natur verspricht Tiefe, Stressreduktion, einen flüssigen, sich organisch ergebenden Handlungsablauf und die Konzentration auf den aktuellen Moment.

Gruppen stelle ich in diesem Zusammenhang gern Achtsamkeitsübungen vor und lasse Gemeinschaftsbilder legen, wie gestern, bei einer Fortbildung für in pädagogischen Feldern Tätige – Schule, Kita, Heilerziehungspflege. Überall kann diese Art des Dialogs mit der Natur gewinnbringend für die persönliche Entwicklung des Klientels sein.

Im Fokus: Stille, Aufgehen im Tun, der Blick für Details. Atemberaubende Schönheit in einem Stück Stein, das in der Sonne glitzert. Blattadern als Netzwerk, das uns Aufschluss über ein Ökosystem gibt. Schwimmende Schlangen aus jahreszeitlich gefärbten Blättern.

Wenn Landart in unser eigenes Leben Einzug hält, wird es, VERSPROCHEN!, nicht mehr so sein wie vorher.

Wälder, Wiesen, Meer werden wir in einem neuen Licht sehen.

Baumrinde, Kieselstein, Schnee, Blüten, Tannenzapfen sind plötzlich Gestaltungsmaterial. Vor uns tut sich eine hervorragende weiße Leinwand auf: die Landschaft, die uns umgibt.

Emotion und Handlung werden verbunden. Glatte Flächen, wie sie in der industriellen Herstellung existieren, gibt es in der Natur nicht. Dellen, geriffelte, samtige Blätter, Stacheliges – Struktur finden wir hier. Andy Goldsworthy ist einer der Pionier*innen der Naturkunst.

Gerade jetzt im Frühherbst bildet die Natur ein unendliches, schöpferisches Potential.

Scheiß’ aufs perfekte Kunstwerk!

Kreativität als Kraft gedeiht und wird umspült innerhalb dieser Technik. Wichtig ist nicht in erster Linie die Raffiniertheit. Sondern die Tätigkeit als solche, das “Wissen der Hände”, wie Steffi Kreuzinger als Umweltpädagogin es Anfang der 2000er formulierte. Die Möglichkeit des Schaffens, die Erleichterung darüber, dass nichts bewertet werden soll. Eine Einteilung in “schön” und “hässlich”, das Labeling gibt es im Landart, wie ich es nutze, nicht.

 

 

 

Zur Begriffsentwicklung:

Landart ist Mitte des 20. Jahrhunderts entstanden aus der Bewegung heraus, Kunst nicht mehr in Galerien “verstauben” zu lassen. Bagger rückten aus, um ganze Landschaftszüge umzugestalten. Riesige sogenannte Earthworks entstanden. Mit der Ökologiebewegung gewann Landart auch im erlebnispädagogischen und therapeutischen Kontext an Bedeutung und wird z.B. in Reflexionsprozessen, als Entspannungstechnik und zum Teambuilding eingesetzt.

Hier wird mit Landart nicht das perfekte Kunstwerk angestrebt. Der für mich wichtigste Grund, diese Form einzusetzen und mich privat auch immer wieder auf Landart Sessions einzulassen.

Baumumarmungen spenden soviel Kraft

Landart ist Meditation im gehaltvollsten Sinne. Es bringt den Flow. Den Zustand, in dem Fähigkeiten und Herausforderung korrelieren und ein Zeitvergessen sich einstellt. Fußabdrücke. Spiralen.

Das Spiel mit Form und Farbe, Kästchen, Kreise, das Legen und Stapeln, huckelige Stellen, kleine Berge – können Teil unserer dargestellten Lebenskurve sein. Ein Gefühl, eine Eigenschaft von uns, eine Situation, mit der wir gerade nicht weiterkommen.

Eine Muschel als Metapher, ein Damm, der bricht. Landart arbeitet stark mit Symbolisierung und Deutung, die jeder Mensch für sich interpretieren und nutzen kann.

Wir bringen in Landart unsere persönliche Story ein, unsere Sozialisation, Charaktereigenschaften.

Unsere Objekte sind stets auch ein Spiegel unserer Selbst. Die gleiche Aufgabenstellung in meinen Gruppen führt bspw. bei der einen Person zu filigraner Arbeit mit winzigen Beeren, bunten Federn und weichem Moos und bei einer Person, die 10 Jahre bei der Bundeswehr gedient hat, zum Bau eines riesigen zeltartigen

Unterstandes aus herangeschleppten Baumstämmen. 🙂

Am “Ergebnis” wird sich erfreut, es bietet Raum zur Diskussion, der eigenen Sinnmachung oder nichts von all dem. Manchmal IST es einfach. Und sicher, das “Produkt” ist am Ende da. Aber unabgeschlossen, es kann durch Witterung abgetragen werden, ergänzt von passierenden Menschen oder angeknabbert von Tieren.

“Ich bin dann mal im Wald.”

Ein zentraler Teil im Landart ist die Begegnung mit der Vergänglichkeit.

In einer Welt, in der Besitz ein hohes Gut zu sein scheint, wirkt diese Radikalität manchmal erschreckend. Und zugleich befreiend. Loslassen kann Landart gut. Denn Luft, Regen und der Wechsel der Jahreszeiten, das ureigene Arbeiten im Gehölz führen dazu, dass die Objekte – ich sage manchmal Objekte und absichtlich nicht Kunstwerke – welken, austrocknen, buchstäblich vom Winde verweht werden. Dazu gehört auch, dass wir sie von uns aus zurücklassen, wieder der Natur übergeben.

Diese künstlerische Auseinandersetzung stärkt gehirngemäßes Lernen. Unser Gehirn leuchtet auf, da es auf so unterschiedlichen Ebenen angesprochen wird. All unsere Sinne werden bemüht und der Seelenvogel breitet die Flügel aus. Ein Objekt kann in 3 Sekunden oder 3 Stunden gestaltet sein. Kontrast, Farbübergänge, Licht und Schatten lassen es wirken.

 

Landart ist eine wunderbare Alternative to go offline, dem digitalen Zeitalter die lange Nase zu zeigen. Nach dem Motto: “Ich bin dann mal im Wald”, genieße Landart als achtsame Alternative zur ständigen Errreichbarkeit.

Zieh’ los und berichte uns von Deinen Erfahrungen mit Landart! Was hast du in der Natur erlebt?